Wissenschaftliche Nachrichten

23.09.2004
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Borreliose (Lyme-Disease)


Übersicht zu den Themen

01. Was ist Borreliose?
02. Wie verbreitet sich Borreliose?
03. Wie äußern sich die Symptome der Borreliose?
04. Wie kann sich der Zustand verschlimmern?
05. Wie stellt der Arzt die Diagnose Borreliose?
06. Wie sieht die Krankheitsentwicklung aus?
07. Was kann der Arzt machen?



01. Was ist Borreliose?



Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch einen Zeckenstich übertragen werden kann. Die Krankheit verläuft in verschiedenen Stadien, deren Anzeichen sich von Veränderungen der Haut an der Stichstelle über Symptome der großen Gelenke bis zu Symptomen des Nervensystems erstrecken können.


02. Wie verbreitet sich Borreliose?


- Borreliose entsteht durch die Übertragung von Bakterien (Borrelia burgdorferi oder Borrelien genannt). Diese leben im Verdauungstrakt der Zecke.

- Zecken leben im hohen Gras oder auf Sträuchern und registrieren mit einem besonderen Organ, ob ein guter Wirt (z.B. Hund, Mensch) vorbeikommt. Setzt sich die Zecke auf den Wirt, wandert sie zu warmen, feuchten und dunklen Stellen des Körpers. Dazu gehören beispielsweise die Achseln und die Schamregion. Aber auch an jeder anderen Körperstelle kann sich die Zecke festbeißen.

- Hat die Zecke eine geeignete Stelle auf der Haut gefunden, dringt sie mit Hilfe ihres Stich- und Saugapparates in die Haut ein. Der Vorgang dauert etwa zehn Minuten. Während des Stiches werden größere Mengen von Zeckenspeichel in die Wunde abgegeben, der schmerz- und gerinnungshemmende Substanzen enthält. Das ist der Grund, warum eine Vielzahl der Zeckenstiche nicht bemerkt wird. Am Ende der Blutmahlzeit würgt die Zecke Magenreste in die Wunde. Somit gelangen die Borrelien aus dem Verdauungstrakt der infizierten Zecke in den Menschen.

- In den meisten Fällen fällt die Zecke, wenn sie satt ist, wieder von allein ab. Sollten Sie eine Zecke bemerken, dann muss diese sobald als möglich entfernt werden.


03. Wie äußern sich die Symptome der Borreliose?


Häufig entdeckt man die Zecke, wenn sie noch in der Haut steckt und kennt dadurch die Stichstelle. Dieses Areal müssen Sie regelmäßig auf Veränderungen kontrollieren. Wichtig ist auch, dass nicht jeder Zeckenstich gleich Borreliose hervorruft. Etwa jede fünfte Zecke im europäischen Raum ist mit Borrelien infiziert.

Es ist wichtig, die Stichstelle zu kontrollieren und bei jeglicher Rötung (siehe unten) den Hausarzt aufzusuchen. Dieser kann Ihnen Auskunft geben, worauf Sie achten müssen.

Die ersten Gefahrenzeichen: Erythema migrans. Ein roter Fleck kann um die Stichstelle entstehen. Dieser rote Fleck wird nach und nach immer größer und ist in der Mitte häufig bleich. Dieses Mal wird Erythema migrans ("wandernde Röte") genannt und ist schmerzlos.

Meist vergehen zwischen ein und vier Wochen vom Stich bis zum Erythema migrans. Zugleich erleben einige Patienten Beschwerden, die an eine Grippe erinnern, wie:

- Müdigkeit
- Kopfschmerzen
- Leichtes Fieber
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Geschwollene Lymphknoten

In etwa 30 Prozent der Fälle kommt es zu einer Infektion mit Borrelien, ohne dass sich ein Erythema migrans entwickelt.


04. Wie kann sich der Zustand verschlimmern?


Akrodermatitis atrophicans: Mehrere Jahre nach dem Stich kann sich vor allem bei älteren Frauen die Haut verändern. Besonders im Bereich von Ellenbogen, Knien, Unterarmen und Unterschenkeln schwillt die Haut an und verfärbt sich blaurot. Später wird die Haut sehr dünn und lässt sich wie Zigarettenpapier fälteln.

Neuroborreliose: 15 Prozent der Patienten mit Borreliose entwickeln eine so genannte Neuroborreliose. Diese tritt im Mittel fünf Wochen nach dem Zeckenstich auf. Die Neuroborreliose führt zu heftigen Nervenschmerzen.

- Die Beschwerden beginnen häufig mit Schmerzen im Rücken. Sie sind typisch im Bereich der Schulterblätter und des Nackens gelegen. Die Schmerzen erinnern an einen Bandscheibenvorfall. Sie werden nachts schlimmer.

- In der betroffenen Körperregion treten häufig schmerzhafte Störungen im Berührungssinn auf.

- Nervenlähmungen können auftreten. Dies gilt besonders für die Gesichtsnerven (Nervus facialis). Die Lähmungen treten etwa ein bis vier Wochen nach den Schmerzen auf.

- Neuroborreliose kann auch als Hirnhautentzündung (Meningitis) in Erscheinung treten, begleitet von Fieber, Kopfschmerzen und einem steifen Nacken.

- In seltenen Fällen verursacht die Krankheit bleibende Schäden, die sich nach und nach ausweiten. Die Nerven werden durch Lähmung zerstört, das Gehör wird beschädigt und Demenz entsteht.

- Neuroborreliose muss umgehend behandelt werden.

Gelenkentzündung (die so genannte Lyme-Arthritis): Sie entsteht Tage bis Jahre nach dem Stich. Die Gelenkentzündungen zeigen sich als Schmerzen und geschwollene Gelenke.

- Meist ist nur ein einziges Gelenk betroffen und nur sehr selten mehr als drei. Die Entzündung entsteht am häufigsten im Knie. Danach folgen Schultern, Ellbögen, Füße und Hüften.
Ohne Behandlung schwillt das Gelenk innerhalb von ein bis vier Wochen ab. Die Entzündung kann aber nach Monaten oder Jahren wiederkehren.

Wirkungen auf das Herz: Selten kommt es bei der Borreliose auch zur Beteiligung des Herzens. Borrelien können zu einer Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) und zu Herzrhythmusstörungen führen.


05. Wie stellt der Arzt die Diagnose Borreliose?


- Zuerst erhebt der Arzt die Krankheitsgeschichte (Anamnese).

- Die Diagnose Erythema migrans stellt der Arzt auf Grund der Krankengeschichte und der typischen Hautveränderung.

- Um die Diagnose mit Sicherheit zu stellen, kann der Arzt eine Blutprobe entnehmen. Sie zeigt, ob Sie Antikörper (Antikörper bildet der Körper nach Kontakt mit körperfremden Stoffen, um sie abzuwehren) gegen Borrelia burgdorferi gebildet haben. Die Antikörper können normalerweise zwei bis vier Wochen nach dem Stich im Blut nachgewiesen werden. Manchmal vergehen aber auch bis zu zwei Monate. Das bedeutet, dass Sie mit Borrelien angesteckt sein können, obwohl die Blutprobe negativ ist. Umgekehrt verhält es sich ähnlich: Eine positive Blutprobe bedeutet nicht unbedingt, dass Sie vor kurzem angesteckt worden sind. Die Antikörper können von einer alten Ansteckung kommen und lassen sich jahrelang im Blut nachweisen.

- Bei Verdacht auf Neuroborreliose werden Sie in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort wird eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) vorgenommen. Der Arzt kann sehen, ob die Bakterien ins Nervensystem vorgedrungen sind.


06. Wie sieht die Krankheitsentwicklung aus?


- Bei einer schnellen und ausreichenden Behandlung mit Antibiotika wird das Erythema migrans geheilt.

- Auch ohne Behandlung werden viele Patienten ohne bleibenden Schaden gesund. Die Behandlung jedoch vermindert das Risiko einer Nerven- oder Organerkrankung.

- Wird erst in einem späten Erkrankungsstadium mit der Behandlung begonnen, können die Erreger entfernt werden. Bereits lange andauernde (chronische) Schäden bleiben bestehen. Eine Verbesserung der Beschwerden kann durch die Antibiotikatherapie erreicht werden.

- In einzelnen Fällen leiden die Patienten unter chronischer Krankheit mit bleibenden Schäden. Diese Fälle können auch mehrere Jahre nach dem Biss auftreten.


07. Was kann der Arzt machen?


Im Anfangsstadium (Erythema migrans) wird zwei bis drei Wochen lang mit Antibiotika behandelt.

Haben Sie Beschwerden an anderen Organen oder treten Komplikationen auf, werden Sie in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort werden Sie über Infusionen mit Antibiotika behandelt.