Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit)
Übersicht zum Thema
01.
Was ist Diabetes Typ 2?
02.
Wie entsteht Diabetes Typ 2?
03.
Welche Anzeichen treten beim Diabetes Typ 2 auf?
04.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
05.
Wie wird der Diabetes Typ 2 behandelt?
06.
Was können Sie selbst tun?
07.
Wie können Sie Diabetes Typ 2 vermeiden?
08.
Prognose
09.
Disease-Management-Programm (DMP)
10.
Der Vertrag
Was ist Diabetes Typ 2?
Diabetes Typ 2 ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Der Körper kann Kohlenhydrate wie Zucker nicht mehr richtig verwerten. Die häufigste Ursache des Diabetes Typ 2 ist das Übergewicht. Im Gegensatz zum Diabetes Typ 1 bildet der Körper bei Diabetes Typ 2 zu Beginn der Erkrankung noch das Hormon Insulin, der Körper reagiert aber nicht richtig auf dieses Hormon. Man spricht daher von Insulin-Resistenz. Diese Art des Diabetes wurde früher auch nicht-insulinabhängiger Diabetes mellitus oder Altersdiabetes genannt, da er in der Regel bei älteren Menschen zum ersten Mal auftritt. In den letzten Jahren findet sich der Diabetes Typ 2 aber auch bei übergewichtigen Jugendlichen.
In Deutschland sind etwa 95 Prozent der Diabeteserkrankungen dem Diabetes Typ 2 zuzuordnen. Wissenschaftler schätzen, dass in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen sind. Es wird aber befürchtet, dass die Zahl der Typ-2-Diabetiker in den nächsten Jahren weiter zunimmt.
Der Diabetes Typ 2 beginnt meist schleichend und ist sehr häufig mit anderen "Wohlstandserkrankungen" wie hohem Blutdruck (Hypertonie), Übergewicht (Adipositas), hohen Blutfettwerten und erhöhten Harnsäurewerten vergesellschaftet. Die Kombination aus Übergewicht,Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten wird auch Metabolisches Syndrom genannt.
Wie entsteht Diabetes Typ 2?
Das Hormon Insulin wird in bestimmten Zellen, den Langerhans´schen Inseln der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Die Hormonproduktion ist abhängig von der Nahrungsaufnahme, vom Alter und von Erbfaktoren. Je mehr wir essen, desto mehr Insulin produziert der Körper. Im Alter nimmt die Hormonproduktion ab.
Alle Körperzellen benötigen Insulin, um Zucker aus der Blutbahn aufzunehmen. In der Zelle wird der Zucker zu Energie verbrannt. Kann der Zucker nicht von den Zellen aufgenommen werden, steigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Ist eine bestimmte Konzentration des Zuckers im Blut überschritten, gelangt der Zucker in den Harn und wird ausgeschieden.
Ursache des Diabetes Typ 2 ist meist Übergewicht. Rund 80 % der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig. Durch die vermehrte Nahrungsaufnahme müssen die Zellen der Bauchspeicheldrüse auch vermehrt das Hormon Insulin bilden. Zusätzlich ist die Empfindlichkeit der Körperzellen auf Insulin verringert (Insulin-Resistenz). Um diese verminderte Empfindlichkeit auszugleichen, bildet die Bauchspeicheldrüse noch mehr Insulin. Diese jahrelange Überforderung der Zellen führt schließlich zu einer Erschöpfung der Insulinproduktion und damit zum Diabetes Typ 2.
Auch Erbfaktoren und Alter spielen bei der Krankheitsentwicklung eine gewisse Rolle. Mit zunehmendem Alter sinkt die Insulinproduktion. Kinder mit einem diabetischen Elternteil erkranken zu 25 bis 50 Prozent an Diabetes. Ausschlaggebend ob die Krankheit Diabetes manifest wird, sind die Lebensumstände, wie zum Beispiel die Ernährungsgewohnheiten.
Welche Anzeichen treten beim Diabetes Typ 2 auf?
In der Regel haben Typ-2-Diabetiker zu Beginn der Erkrankung keine Beschwerden. Die Diagnose Diabetes Typ 2 ist häufig ein Zufallsbefund oder wird im Rahmen einer Folgeerkrankung, wie einem Herzinfarkt gestellt. Im Gegensatz zum Diabetes Typ 1 sind die auftretenden Beschwerden nur milde:
- Müdigkeit
- Starker Durst (Polydipsie) durch den Wasserverlust
- Häufiges Wasserlassen (Polyurie)
- Häufige Haut- und Schleimhautinfektionen
- Juckreiz
Achten Sie besonders auf diese Anzeichen, wenn bei Ihnen das Risiko, an Diabetes zu erkranken erhöht ist. Dies ist der Fall, wenn Diabetes Typ 2 in Ihrer Familie bekannt ist oder Sie übergewichtig sind. Auch Diabetes in einer früheren Schwangerschaft oder die Einnahme bestimmter Medikamente, wie z.B. Antibabypille, wassertreibende Medikamente oder Kortisonpräparate erhöhen das Risiko, an Diabetes zu erkranken.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Der Arzt misst den Blutzucker. Nüchternwerte größer als 126 mg/dl und über 200 mg/dl zwei Stunden nach einer Mahlzeit gelten als krankhaft. Mit Hilfe eines Teststreifens wird auch der Urinzucker gemessen. Lässt sich wiederholt Zucker im Urin nachweisen, ist das fast immer ein Hinweis auf Diabetes. Zusätzlich wird der HbA1c-Wert bestimmt. Dieser wird auch Blutzuckergedächtnis genannt, da er eine Beurteilung der Diabeteseinstellung für die zurückliegenden zwölf Wochen erlaubt.
Ist bei Ihnen die Diagnose Diabetes gestellt worden, so werden zusätzlich der Augenhintergrund, die Nieren- und Blutfettwerte, die Nerven, der Urin, der Blutdruck und Ihre Füße kontrolliert, um eventuelle Folgekrankheiten frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.
Wie wird der Diabetes Typ 2 behandelt?
Der Diabetes Typ 2 wird zu den Wohlstandskrankheiten gezählt. Oberstes Gebot der Therapie sind die Gewichtsreduktion und regelmäßige körperliche Bewegung. Erst wenn diese Allgemeinmaßnahmen nicht helfen, wird der Arzt Ihnen Tabletten oder Insulin verschreiben. Es gibt drei Ansatzpunkte für eine Therapie mit Tabletten:
- Metformin und die neue Gruppe der Insulin-Sensitizer machen die Körperzellen für Insulin empfindlicher.
- Sulfonylharnstoffe und Glinide fördern die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Sulfonylharnstoffe regen die Insulinausschüttung kontinuierlich an. Es besteht die Gefahr einer Unterzuckerung, weil der Blutzucker unter den normalen Wert sinken kann. Durch einen regelmäßigen Essensplan mit kleineren Zwischenmahlzeiten lässt sich das kontinuierlich ausgeschüttete Insulin abfangen. Die neue Wirkstoffgruppe der Glinide wirkt extrem kurz, nämlich nur für den Zeitraum der Mahlzeit. Diabetiker müssen sie deshalb nur einnehmen, wenn sie tatsächlich etwas essen. Die Gefahr einer Unterzuckerung ist deshalb gering.
- Resorptionsverzögerer verlangsamen die Aufnahme von Glucose über den Darm ins Blut. Denn nach dem Essen klettert der Blutzucker auf einen Spitzenwert (postprandiale Hyperglykämie). Um diese Blutzuckerspitze abzubauen, braucht der Körper kurzfristig einen hohen Insulinschub. Resorptionsverzögerer lassen den Blutzuckerspiegel erst gar nicht so stark ansteigen. Der Körper kommt so mit geringen Insulinmengen aus und die Bauchspeicheldrüse wird geschont. Wirksam sind sie nur bei gering erhöhten Blutzuckerwerten oder als Unterstützung anderer blutzuckersenkenden Medikamente.
In vielen Fällen kann auch eine Insulintherapie notwendig werden. Wenn Sie Medikamente bekommen oder Insulin spritzen, ist es sehr wichtig, den Blutzucker regelmäßig zu messen.
Was können Sie selbst tun?
Einer der wichtigsten Therapie-Bausteine ist die Schulung der Diabetiker. Entsprechenden Unterricht bieten wir Ihnen jederzeit an. Weiterhin sollten Sie beachten:
- Seien Sie sich Ihrer Krankheit bewusst und lernen Sie, Anzeichen von zu hohem und niedrigem Blutzucker zu erkennen.
- Lernen Sie, Ihren Blutzucker zu messen und tun Sie dies auch regelmäßig.
- Lernen Sie sich selbst Insulin zu spritzen wenn Sie Insulin benötigen.
- Gehen Sie zu den jährlichen Gesundheitsuntersuchungen - dadurch ist eine Früherkennung der Krankheit möglich.
- Treiben Sie regelmäßig Sport.
- Suchen Sie regelmäßig Ihren Arzt auf. Er überprüft den Blutzuckerspiegel, den Blutfettgehalt und die Nierenwerte. Er wird sich auch Ihre Füße ansehen, Ihr Zuckertagebuch kontrollieren, den Blutdruck messen und bei Bedarf weiter führende Untersuchungen wie eine Kontrolle beim Augenarzt oder beim Herzspezialisten veranlassen.
- Denken Sie daran, dass die Behandlung von Diabetes nicht nur eine Behandlung von Blutzuckerwerten ist. Ebenso wichtig ist das Senken von Übergewicht, erhöhtem Blutdruck und erhöhten Blutfetten und die Vorbeugung bzw. Behandlung von Folgeerkrankungen.
- Wenn Sie rauchen, geben Sie das Rauchen auf.
Wie können Sie Diabetes Typ 2 vermeiden?
Diabetes Typ 2 ist eine Wohlstandskrankheit. Achten Sie auf Ihr Gewicht und bewegen Sie sich regelmäßig. Dies ist insbesondere wichtig, wenn in Ihrer Familie bereits Typ-2-Diabetes aufgetreten ist.
Prognose
Der Diabetes Typ 2 kann viele Jahre lang durch kalorien- und fettarme Kost sowie durch regelmäßige Bewegung behandelt werden. Später wird die Therapie durch Medikamente und/oder Insulininjektionen ergänzt. Das Auftreten von Folgeerkrankungen hängt von der Stoffwechseleinstellung ab. Je besser der Diabetes eingestellt ist, desto später und seltener treten diese auf. Folgende Folgeerkrankungen sind möglich:
- Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und als Folge dessen Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt
- Nierenkrankheiten
- Augenkrankheiten
- Nervenschädigung (Nervenentzündung)
- Geschwüre am Bein
- Potenzstörungen
- Wundheilungsstörungen
- Zuckerkoma oder Unterzuckerkoma.
Disease-Management-Programm (DMP)
Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich in einem anhaltenden Strukturwandel. Mit dem neuen Begriff Disease Management werden wir alle im Verlauf der Zeit vertraut werden, wie es mit den Begriffen Qualitätssicherung, DRG, Praxisnetze und vielem anderen der Fall war. Durch die neue Reform des Risikostrukturausgleichs (RSA) sollte die Mitgliedschaft der chronisch Kranken für die Krankenkassen seit 2002 wieder attraktiver werden. Die Aufnahme der Patienten mit chronischen Krankheiten in die Disease-Management-Programme seitens der Krankenversicherungen ist die Voraussetzung für die finanzielle Unterstützung durch den RSA. Eine besondere Bedeutung in diesem Zusammenhang kommt auf "Evidenz-basierte Medizin" zu, die durch Kostenträger angewandt wird, um im Bereich des Disease Management die Wirksamkeit von Behandlungsverfahren zu überprüfen.
Der Vertrag
Der Diabetes mellitus Typ 2 und die damit im Zusammenhang stehenden Stoffwechselstörungen stellen angesichts ihrer Häufigkeit Volkskrankheiten dar, die zu einer empfindlichen Reduzierung der Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung der Erkrankten führen.
Epidemiologische Untersuchungen zur Prognose des Diabetes mellitus Typ 2 zeigen, dass durch eine frühzeitige Diagnostik, eine qualifizierte Schulung und Betreuung sowie eine individualisierte Therapie die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöht und die Behandlungskosten reduziert werden können. Dies erfordert für die Behandlung und Betreuung von Diabetes-Patienten Typ 2 unter Beachtung von Versorgungsinhalten, die auf evidenz-basierten Leitlinien beruhen, eine besondere Qualifikation der Ärzte und des nichtärztlichen Personals und spezielle technische Voraussetzungen für die Leistungserbringung.
Die Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 soll nun durch ein Disease Management - Programm nach § 137g SGB V weiter optimiert werden. Daher schließen die Vertragspartner einen Vertrag auf der Grundlage des § 73a SGB V.
Die Vertragspartner stimmen überein, dass durch dieses Programm die Vertrauensbeziehung zwischen Patient und Arzt nicht gestört wird, und seitens der Krankenkassen kein Eingriff in die medizinischen Belange des Arzt-/Patientenverhältnisses stattfindet.
(1) Ziel der Vereinbarung ist die aktive Teilnahme der Versicherten bei der Umsetzung des Disease-Management-Programms Diabetes mellitus Typ 2 in der Region der KV Niedersachsen. Über dieses Behandlungsprogramm soll unter Beachtung der nach § 9 dieses Vertrages geregelten Versorgungsinhalte eine indikationsgesteuerte und systematische Koordination der Behandlung der Versicherten mit Diabetes mellitus Typ 2, insbesondere im Hinblick auf eine interdisziplinäre Kooperation und Kommunikation aller Leistungserbringer und den teilnehmenden Krankenkassen gewährleistet werden, um die Versorgung der Patienten zu optimieren.
Der Hausarzt spielt als DMP - Arzt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung.
(2) Generell geht es um die Erhöhung der Lebenserwartung sowie die Erhaltung oder Verbesserung der durch Diabetes mellitus beeinträchtigten Lebensqualität. Dabei werden in Abhängigkeit z.B. von Alter und Begleiterkrankungen des Patienten unterschiedliche, individuelle Therapieziele angestrebt.
(3) Die Ziele und Anforderungen an die Disease-Management-Programme sowie die medizinischen Grundlagen sind in der Risikostrukturausgleichsverordnung in der jeweils gültigen Fassung festgelegt.
Die Vertragspartner streben folgende Ziele an:
a) Vermeidung von Symptomen der Erkrankung (z.B. Polyurie, Polydipsie, Abgeschlagenheit) einschließlich der Vermeidung neuropathischer Symptome, Vermeidung von Nebenwirkungen der Therapie sowie schwerer Stoffwechselentgleisungen,
b) Reduktion des erhöhten Risikos für kardiale, zerebrovaskuläre und sonstige makroangiopathische Morbidität und Mortalität einschließlich Amputationen,
c) Vermeidung der mikrovaskulären Folgekomplikationen mit schwerer Sehbehinderung oder Erblindung, Niereninsuffizienz mit der Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie (Dialyse, Transplantation)
d) Vermeidung des diabetischen Fußsyndroms mit neuro-, angio- und/oder osteopathischen Läsionen.